Kurzgeschichte des Monats

Schöne Weihnachtszeit


Also ich liebe ja die Advents- und Weihnachtszeit.

Fast kann ich es nicht abwarten, bis ich endlich in den Geschäften wieder die ersten Weihnachtslieder höre.
Es stört mich auch gar nicht, dass ich zu dieser Zeit meist noch auf der Suche nach einem neuen Badeanzug bin, weil der vom letzten Jahr wegen der vielen Weihnachtsplätzchen nicht mehr passt.

Leider kenne ich von den meisten Weihnachtsliedern nur die ersten Strophen, trotzdem singe ich in Gedanken immer mit, wenn die lieblichen Melodien erklingen.
Stiihiille Nacht, heilige Nacht...“, das ist doch auch so passend, denn die Ruhe auf dem Westenhellweg an den langen Adventswochenenden ist doch einfach himmlisch!

Und dann erst die Harmonie in meiner Familie in der Weihnachtszeit. Jeder ist gut gelaunt, mein Mann arbeitet mit stiller Erwartungsfreude den langen Einkauszettel ab, meine Enkel schmettern zum tausendsten Mal: „In der Weihnachtsbäckerei...“ und ich freue mich wie eine Schneekönigin, dass ich das ganze Haus dekorieren darf, obwohl ich dafür das Talent einer indischen Elefantenkuh besitze.

Nein, Weihnachten ist wirklich die schönste Sache der Welt.

Zum Beispiel die Freude beim Plätzchenbacken, wenn meine Enkel sich mit dem Teigausroller die Köpfe einschlagen und anschließend entdecken, dass man mit der Schokoglasur prima die Tapeten anmalen kann.

Auch dass mein Mann sich an dem selbstgebackenen Lebkuchen einen Zahn ausgebissen hat, war eine schöne Weihnachtsüberraschung. So konnte ich ihm doch einen Gutschein für den Zahnarzt schenken und musste nicht lange nach einem anderen passenden Geschenk suchen. Er hat sich auch wirklich gefreut am heiligen Abend. Vor allem, weil ich mit großem Zeichentalent ein paar Schneidezähne auf den Gutschein gemalt hatte.

Früher hatte meine Schwiegermutter, Gott hab sie selig, ja immer die originellsten Geschenkideen. Jedes Jahr bekamen wir einen Geldschein in eine liebevoll beschriftete Weihnachtskarte gesteckt. Früher dachte ich mal, sie hätte die Weihnachtskarten im 100er-Pack im Sonderangebot gekauft. Aber dann erwischte ich sie dabei, wie sie nach Weihnachten die Karten aus dem Mülleimer fischte, um sie beim nächsten Weihnachtsfest erneut zu benutzen.
Das erklärte auch, warum ihre Schrift seit Jahren unverändert blieb.

Ein besonderes Erlebnis an Weihnachten ist auch unser traditioneller Gänsebraten. Seit einigen Jahren kaufe ich die Gans ja nur noch beim Bio-Bauern, denn dort wird sie natürlich und artgerecht gehalten und geschlachtet.
Bio-Gänse zeichnen sich auch durch besonders kräftige Knochen aus, was zur Folge hatte, dass mein Mann mit dem Tranchierbesteck nichts mehr ausrichten konnte. Es war sehr romantisch, als er der Gans mit Hammer und Säge zu Leibe rückte. Die Nachbarn erkundigten sich später, ob wir sogar noch am Weihnachtstag unsere Renovierarbeiten ausgeführt hätten.

Für die Weihnachtstage rechne ich pro erwachsene Person immer eine halbe Flasche Magenbitter. Irgendwie muss man das ganze Gänsefett ja absorbieren.
Meist legt sich die Übelkeit durch den Schnaps nicht, aber es macht einem auch gar nichts mehr aus und dadurch wird das Weihnachtsfest dann richtig lustig.

Deshalb Leute, könnt ihr sagen, was ihr wollt. Weihnachten ist und bleibt ein schönes Fest und wer das nicht einsehen will, ist einfach unsensibel!